Entwicklung des Zusatzbeitrags

Die Geschichte des Zusatzbeitrags spiegelt die Etappen der Gesundheitspolitik und des Konjunkturverlaufes in Deutschland. Mit einem zweiten und zusätzlich zu entrichtenden Krankenkassenbeitrag einseitig zu Lasten der Versicherten verabschiedete sich die Politik vom Grundsatz der Parität zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, wie er jahrzehntelang für die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung gegolten hatte. Im Folgenden finden Sie einen Abriss und eine Übersicht dieser Entwicklung.

Zusatzbeitrag 2017 - Entwicklung bis 2020
Entwicklung des zusatzbeitrages 2015 – 2020

Sonderbeitrag und Aufhebung der Parität (Reform 2008)

Bis Ende 2008 konnten die gesetzlichen Krankenkassen ihren Beitragssatz abhängig von ihrer Haushaltslage selbst festlegen. Die Spanne reichte dabei zuletzt von circa 11 Prozent bis 16 Prozent. Diesen Beitrag trugen bis zur Mitte des Jahres 2005 die Arbeitgeber und Arbeitnehmer genau zur Hälfte. Wer damals in einer sehr günstigen Kasse versichert war, brauchte also nur weniger als sechs Prozent seines Bruttoeinkommens an diese abführen. Im Juli 2005 wurde ein Sonderbeitrag für Arbeitnehmer von knapp einem Prozent ( genau 0,9 % ) eingeführt und das Paritätsprinzip damit aufgehoben. Arbeitnehmerbeiträge von unter sechs Prozent waren damit Geschichte.

Gesundheitsfonds und Einheitsbeitrag (Reform 2009)

Mit der Gesundheitsreform der großen Koalition und der Einführung des Gesundheitsfonds im Januar 2009 wurde dann in einem nächsten Reformschritt ein einheitlicher Beitragssatz für alle Krankenkassen eingeführt. Dieser lag bei 15,5 Prozent ( zwischenzeitlich von Mitte 2009 bis Ende 2010 auch bei 14,9 Prozent ). Der Sonderbeitrag für Arbeitnehmer blieb in Form einer Deckelung der Arbeitgeberanteils bei 7,3 Prozent erhalten. Versicherte hatten den bis dato höchsten Beitragssprung hinzunehmen, denn plötzlich mussten sie nun ohne Ausnahme mindestens 8,2 Prozent von ihrem Brutto an die Kasse abführen.

Zusatzbeitrag und Überschussprämien (Reform 2009)

Mit der schwarz-gelben Gesundheitsreform von 2009 wurden alle Kassen verpflichtet, bei Bedarf einen einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag als reinen Geldbetrag zu erheben. Ab 2010 wurde dies bei mehr als zehn Krankenkassen angewendet. Diese Zusatzbeiträge mussten von den Versicherten als Jahresbetrag selbst überwiesen werden und waren theoretisch nach oben unbegrenzt. Die real erhobenen Zusatzbeiträge lagen monatlich zwischen 8 und 16 Euro und hatten hunderttausendfache Krankenkassenwechsel zur Folge. Im umgekehrten Fall waren die Kassen berechtigt, ihren Versicherten Geldprämien aus Überschüssen zu zahlen. Auch davon machten einige Kassen Gebrauch, deren Prämien zwischen 30 und 120 Euro pro Jahr lagen.

Einkommensabhängiger Zusatzbeitrag (Reform 2013)

Die neue große Koalition ab 2013 schaffte mit Wirkung vom 1. Januar 2015 pro Forma den Sonderbeitrag von 0,9 Prozent und die einkommensunabhängigen Zusatzbeiträge ab, wie sie die Krankenassen zwischenzeitlich erhoben hatten. Dafür war es den Kassen nun erlaubt, einen individuell festgelegten, prozentualen Zusatzbeitrag zu erheben, der genau wie der allgemeine Beitragssatz einkommensabhängig ist und auch wieder automatisch vom Bruttoeinkommen abgezogen wird. Die Deckelung der Arbeitgeberbeiträge bei 7,3 Prozent wurde erneut nicht angetastet, dafür aber die Parität beim allgemeinen Beitragssatz (7,3 % | 7,3 % = 14,6 %) wieder hergestellt. Wirksam ist diese aber nur dann, wenn kein Zusatzbeitrag erhoben wird.

Die Krankenkassen können seither ihre Ausgaben über einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag decken, der auf den allgemeinen Beitragssatz addiert wird. Der Zusatzbeitrag wird allein von den Versicherten getragen und einkommensabhängig vom Bruttogehalt automatisch abgezogen. Derzeit gibt es Krankenkassen, die gar keinen Zusatzbeitrag verlangen als auch Kassen mit einem Zusatzbeitrag von mehr als 1,50 Prozent. Die Versicherten müssen je nach Krankenkasse 7,3 Prozent (kein Zusatzbeitrag) bis zu 9,1 Prozent (Kasse mit höchstem Zusatzbeitrag, Stand Juli 2016) ihres Bruttoeinkommens an die Krankenkasse abführen.

Entwicklung des Zusatzbeitrags

2017

1. Januar – voraussichtliche Erhöhung Zusatzbeitrag

Für das kommende Jahr plant die Bundesregierung, den Krankenkassen 1,5 Milliarden Euro aus den Reserven des Gesundheitsfonds zuzuweisen. Ob und wie stark die gesetzlichen Krankenversicherer ihre Zusatzbeiträge 2017 anheben ist noch nicht beschlossen.
2016

1. Januar – Erhöhung Zusatzbeitrag

Der Großteil der gesetzlichen Krankenkassen erhöht den Zusatzbeitrag teils massiv. In der Tabelle Zusatzbeitrag 2016 erhalten Sie einen Überblick, wie hoch der Zusatzbeitrag bei der jeweiligen Krankenkasse 2016 ausgefallen ist.
2015

1. Januar – Einführung Zusatzbeitrag

Ein einkommensabhängiger Zusatzbeitrag wird eingeführt. Der Zusatzbeitrag wird allein vom Versicherten getragen. Der allgemeine Beitragssatz wird auf 14,6 Prozent gesetzlich festgeschrieben und bei Beschäftigten je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt.
2009

1. Januar – Einrichtung des Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds wird durch den Gesetzgber eingeführt. Alle gesetzlichen Krankenkassen erheben bis zum 31. Dezember 2014 den gleichen Beitragssatz.
2005

1. Juli – Einführung Sonderbeitrag

Ein Sonderbeitrag zur Krankenversicherung in Höhe von 0,9 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen wird eingeführt. Der Sonderbeitrag wird von den Versicherten allein getragen.