Fragen

Die Kostenentwicklung bei den gesetzlichen Krankenkassen wird auch im Jahr 2017 und danach zu weiter steigenden Zusatzbeiträgen führen. Im Jahr 2016 war durchschnittlich jeder dritte GKV-Versicherte von zum Teil deutlich steigenden Beiträgen betroffen. Seit der Einführung des individuellen Zusatzbeitrages im Jahr 2015 haben mit einer einzigen Ausnahme bislang alle gesetzlichen Krankenkassen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, auf den allgemeinen Beitragssatz einen Aufschlag zu erheben. Im Folgenden finden Sie Antworten auf wichtige Fragen rund um den Zusatzbeitrag.

Warum ist der Zusatzbeitrag eine finanzielle Belastung?

Der Zusatzbeitrag unterscheidet sich vom allgemeinen Beitragssatz durch ein entscheidendes Detail: Er ist zu 100 Prozent nur von den versicherten Mitgliedern der Krankenkassen zu tragen. Das bedeutet, dass der Zusatzbeitrag von derzeit 0,3 Prozent (günstigste Krankenkassen) bis 1,9 Prozent (teuerste Krankenkasse) in voller Höhe auf das Bruttoeinkommen angerechnet und automatisch vom Gehalt abgezogen wird. Steigt der Zusatzbeitrag wie zuletzt im Januar 2016 sprungartig an, sinkt der Nettolohn parallel um den entsprechenden Betrag.

Warum gibt es überhaupt Zusatzbeiträge?

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen keine Therapie und keine Behandlung aus dem geltenden GKV-Leistungskatalog ablehnen. Auch dürfen sie kein Mitglied wegen Beitragsschulden aus den Versicherungsleistungen ausschließen noch ist es ihnen erlaubt, Anträge auf Mitgliedschaft bei Erfüllen der gesetzlichen Voraussetzungen abzulehnen. Gleichzeitig steigen jährlich die Kosten für ambulante Medizin, Krankenhausbehandlungen, Medikamente und Heilmittel oder die notwendige Selbstverwaltung.

Aus diesen genannten Gründen sind viele Krankenkassen nicht in der Lage, mit den zugewiesenen Beitragsgeldern und zusätzlichen Steuermitteln auszukommen. Gesetzliche Krankenkassen sind einerseits Körperschaften öffentlichen Rechts, andererseits müssen sie aber auch wie Wirtschaftsunternehmen geführt und behandelt werden. Ist die Jahresbilanz einer Krankenkasse negativ, muss der Verwaltungsrat die Einführung oder die Anhebung eines Zusatzbeitrages beschließen. Nach einer Prüfung durch das Bundesversicherungsamt wird dieser in der Regel genehmigt und tritt mit dem avisierten Stichtag in Kraft.

Warum haben Krankenkassen unterschiedliche Zusatzbeiträge?

Jede gesetzliche Krankenkasse kann die Höhe ihres Zusatzbeitrages selbst individuell bestimmen. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist nach oben nicht begrenzt und vor allem davon abhängig, in welcher wirtschaftlichen Situation sich die Krankenkasse befindet.

Wie hoch wird der Zusatzbeitrag 2017 sein?

Eine verlässliche Information über die genaue Höhe des Zusatzbeitrages im Jahr 2017 geben die Krankenkassen erst nach den Verwaltungsratsbeschlüssen im letzten Quartal 2016 bekannt.
Bis es soweit ist, können sich Versicherte anhand von Tendenzen, Bilanzen, Quartalszahlen und Aussagen von verantwortlichen Personen orientieren.

Faustregel: Kassen mit ausreichend Finanzreserven erhöhen ihren Zusatzbeitrag wenn überhaupt, dann moderat. Kassen mit Minusbilanzen sind gezwungen ihren Zusatzbeitrag entsprechend deutlich zu erhöhen, um wieder schwarze Zahlen erreichen zu können.

Muss mein Arbeitgeber die Hälfte des Zusatzbeitrages bezahlen?

Nein, anders als beim allgemeinen Beitragssatz beteiligt sich der Arbeitgeber nicht am Zusatzbeitrag. Er muss von den versicherten Mitgliedern allein aufgebracht werden.

Erheben alle gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag?

Bis auf wenige Ausnahmen erheben derzeit alle gesetzliche Krankenkassen einen Zusatzbeitrag. Die Liste Zusatzbeitrag der Krankenkassen bietet eine Übersicht des aktuellen Stands.

Kann ich aufgrund der Erhöhung des Zusatzbeitrages meine Krankenkasse wechseln?

Ja. Wenn die gesetzliche Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigungsfrist beträgt dabei zwei Monate. Die Kündigung muss allerdings bis zum Ende des Monats erfolgen, in dem die Erhebung oder Erhöhung wirksam geworden ist. Den Zusatzbeitrag müssen Versicherte jedoch bis zum Eintritt der Kündigung vollständig zahlen.

Wie kündige ich meine Krankenkasse?

Eine Kündigung der Krankenkasse muss schriftlich und mit eigener Unterschrift erfolgen. Das Schreiben muss an die korrekt datiert und adressiert sein und sollte die Versicherungsnummer ( Kassen-Nr. ) und Versicherten-Nummer enthalten. Beide Angaben sind auf der Vorderseite der Chipkarte zu finden. Zu beachten ist außer dem die Kündigungsfrist von zwei Monaten, gerechnet immer ab dem letzten Tag des laufenden Monats. Erhöht sich der Zusatzbeitrag, gilt ein Sonderkündigungsrecht. Dieses entbindet jedoch nicht von der Kündigungsfrist.

Dieese Anleitung zur Kündigung hilft Ihnen beim Krankenkassenwechsel.

Kann ich den Zusatzbeitrag von der Steuer absetzen?

Ja. Wie alle Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträge sind die Zusatzbeiträge in der Lohnsteuererklärung unter dem Punkt Sonderausgaben voll absetzbar. Dies regelt das Bürgerentlastungsgesetz. Voraussetzung ist, dass die Beiträge selbst gezahlt und nicht von Dritten geleistet wurden. Die Höhe der im Steuerjahr geleisteten Krankenkassenbeiträge inklusive Zusatzbeitrag ergibt sich aus der Jahresentgeltbescheinigung des Arbeitgebers. Selbstständige und andere freiwillig Versicherte erhalten diese Angaben in der jährlichen Bestätigung für die Steuererklärung.